SAMSTAG, 11. OKTOBER, 20H00, KONZERTSAAL

Polyphoner Gesang und individuelle Wortkunst – Ein Abend mit Tenores di Bitti „Mialinu Pira“ & Nora Gomringer

Karten erhalten Nicht-Tagungsteilnehmer an der Abendkkasse zu 18 €, ermäßigt 12 €, Reservierung unter 0711 . 22 10 12 oder per Mail möglich.

Tenores di Bitti „Mialinu Pira”

Omar Bandinu, Oche e Mesu Oche
Marco Serra, Oche e Mesu Oche
Bachisio Pira, Bassu
Arcangelo Pittudu, Contra

Die Tenores di Bitti „Mialinu Pira“ nehmen unter den vielen Vokalgruppen in Sardinien einen besonderen Platz ein. Ihr Stil ist etwas weniger rau als der mancher anderer Quartette, sie beeindrucken durch eine perfekte Intonation und einen kraftvollen Ensembleklang, und die Pflege ihres musikalischen Erbes und dessen Erforschung ist exemplarisch. Dadurch haben sie inzwischen ein Niveau erreicht, das weit über ihre Heimat hinausstrahlt. Konzerttourneen führten sie durch ganz Europa, aber auch nach Japan, Brasilien oder in die Vereinigten Arabischen Emirate. Höhepunkte waren 2001 die Teilnahme am Weihnachtskonzert im Vatikan für Papst Johannes Paul II., ein Konzert im Concertgebouw in Amsterdam 2009 sowie im selben Jahr ein Konzert in der Geburtskirche in Bethlehem. Die Tenores di Bitti „Mialinu Pira“ singen seit vielen Jahren zusammen und sie gelten heute bei Musikliebhabern und Musikethnologen als eine der besten Vertreter dieser Vokalkunst.

Im Gegensatz zu anderen Vertretern der sardischen Vokalkunst sind die Tenores di Bitti „Mialinu Pira“ deutlich jünger. Die „cantu a tenore“ ist in Sardinien immer noch eine lebendige Tradition, die jedoch von vielen Gruppen mit häufig älteren Sänger gepflegt wird.

Besonders sorgfältig sind die Sänger des Ensembles bei der Auswahl der Texte. Sowohl bei den Tanzformen (lestru, dillu, seriu u.a.) als auch bei den langsamen Sätzen (isterrita, boch’e notte) greifen sie auf Texte berühmter Dichter, aber auch unbekannte zeitgenössischer Autoren zurück, und so stellt das Repertoire der Gruppe ein wichtiges Instrument der literarischen Übertragung dar. Die weltlichen Lieder erzählen etwa von Schäfern und ihrer Einsamkeit, und zeigen deren Verbundenheit mit der Natur. Die geistlichen Lieder werden zu bestimmten Anlässen im liturgischen Kalender, also zu den hohen Festen wie Weihnachten, Ostern und Patronatsfeste in den Kirchen gesungen, oder aber bei religiösen Prozessionen durch die Straßen von Bitti. Auch die „Grobbes“ und einige Wiegenlieder für das Jesuskind zählen zu diesem Repertoire.

Die Gruppe arbeitet mit großer Hingabe daran, die Tradition fortzuführen. Sie geben Kurse in Schulen und versuchen, ihren traditionellen Gesang mit anderen Genres der Musik in Berührung zu bringen.

© 2014 erika esslinger konzertagentur

Nora Gomringer (Jahrgang 1980) ist Schweizerin und Deutsche, schreibt Lyrik und für
Radio und Feuilleton. Seit 2000 hat sie fünf Lyrikbände und eine Essay-Sammlung bei Voland
& Quist veröffentlicht. Sie rezitiert, schreibt und liest preisgekrönt vor. Zuletzt wurden ihr
der Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache (2011) und der Joachim-Ringelnatz-Preis (2012)
zugesprochen. Sie ist Rotarierin, Mitglied im PEN und hatte die Poetikdozenturen in Landau,
Sheffield und in Kiel inne. Wenn man sie privat trifft, ist es meistens dunkel, weil sie dann mit
Leidenschaft im Kino sitzt. So kommt es auch, dass sie mit Freude immer mehr Filme und
Verfilmungen in ihre Arbeit einbezieht. Das gibt ihr die Gelegenheit mit geschätzten Kolleginnen
und Kollegen aus Musik und Film zusammen zu arbeiten. Sie lebt in Bamberg, wo sie das
Internationale Künstlerhaus Villa Concordia seit 2010 leitet. Wer mehr über sie wissen möchte… der lese genau hin! www.nora-gomringer.de