LAING übernehmen Schirmherrschaft

Berliner Gesangsensemble setzt sich für das Forum zum Phänomen Stimme ein

Berliner Gesangsensemble setzt sich für das Forum zum Phänomen Stimme ein
(Foto: Max Parovsky)
Foto: Max Parovsky

Mit ihrem Edelmetall-ausgezeichneten Top 10-Hit „Morgens immer müde“ aus dem Longplay-Erstling „Paradies Naiv“ haben LAING die deutschsprachige Musiklandschaft im vergangenen Jahr erst so richtig auf links, und dann wieder zurück auf Kante gezogen: Mit ihrer Multimedia-Performance aus Bühnenchoreographie und dem außergewöhnlichen Crossover aus Minimal-Elektro, Pop und R’n‘B, verbunden mit einer einzigartig filigranen Sprachästhetik demonstrierte das Berliner Damenquartett eine Art von Neuer Deutscher Unverkrampftheit, die LAING in der Folgezeit ausverkaufte Konzerthäuser sowie eine absolute Ausnahmestellung innerhalb der heimischen Szene bescherte. Nun schlägt Frontfrau Nicola Rost mit ihrer Band das viel beschworene „nächste Kapitel“ auf – “Wechselt die Beleuchtung”. Geblieben ist diese ganz besonders heftige Detailverliebtheit, mit der Nicola Rost die Gefühlswelt um sich herum bis in die kleinste Doppelchromosomenfaser seziert, mit der deutschen Sprache und den Hormonen jongliert und am Ende doch irgendwie alles auf den gleichen Nenner bekommt: Dass sich das Leben liebend gern von seiner kompliziertesten Seite zeigt und Eins immer noch die einsamste Zahl bleibt. LAING leben vom Kontrast, dem Clash, den Ecken und Kanten; textlich wie auch musikalisch. Gebrochener Charme mit zackigem Beat und messerscharf geschliffenen Lyrics ohne Kindersicherung. LAING teasern Vorurteile, manipulieren mit Unschuldsengelblick die gängigen Mechanismen der deutschen Sprache, brechen mal eben im Vorbeischlendern mit sämtlichen Konventionen und Erwartungshaltungen. Und sie stellen eiskalt lächelnd die Geschlechterrollen auf den Kopf.

Ein Plädoyer für Mehrstimmigkeit

Grußwort

Die Schnittstelle von Stimme und Sprache ist ein Ort, an dem sich Gefühl und Verstand treffen; Sprache gibt Gefühlen einen Namen, und die Stimme, ihr Klang, ihre Betonung, ihre Melodie geben diesem Namen ein Gesicht. Wer einen Text singt, kann damit alles aus ihm machen, und bei einem gelungenen Konzert ist es oft weder der Text noch der Sänger, die im Vordergrund stehen, sondern die Geschichte, die beide zusammen erzählen.

Die Akademie für gesprochenes Wort richtet dieses Jahr zum 10. Mal die Stuttgarter Stimmtage aus und widmet sich diesen Wechselwirkungen zwischen Stimme und Sprache, zwischen Interpret und Lied. Im Vordergrund steht – mit dem diesjährigen Motto “Chor- Ensemble- Kollektiv” – das Thema Mehrstimmigkeit. Dieses Motto ist auch der Grund, warum wir in diesem “Jubiläumsjahr” die Freude haben, die Schirmherrschaft zu übernehmen- Mehrstimmigkeit ist ein wichtiges Element unserer Musik und erlaubt uns, auf der Bühne mit dem Einsatz minimaler Mittel auszukommen.

Chorgesang kann eine Größe entfalten, die mehr ist als die Summe ihrer Teile, er kann in seinen besten Momenten bei Publikum und Sängern Gefühlsregungen wecken, deren Beschreibung außerhalb des Sagbaren liegt- manche Dinge sind eben schwer zu erklären, manche Dinge muss man selber hören. In diesem Sinn wünschen wir allen Teilnehmern, Künstlern, Experten und Besuchern viel Spaß und Inspiration!

Nicola Rost, Leadsängerin, Songwriterin und Produzentin von LAING und Schirmherrin der 10. Internationalen Stuttgarter Stimmtage