CHOR - ENSEMBLE - KOLLEKTIV

CHOR - ENSEMBLE - KOLLEKTIV

»Aber der Ton brennt aus uns heraus, der gehörte Ton, nicht er selbst oder seine Formen«
Ernst Bloch

Auf die andere Stimme hören, auf die Stimme des Anderen hören, sich zusammenfügen, ohne sich zu verleugnen: Das Individuum ist die Kraft im Gesamten. Die 10. Internationalen Stuttgarter Stimmtage widmen sich dem thematischen Dreiklang Chor – Ensemble – Kollektiv. International anerkannte Künstler, Referenten und Dozenten thematisieren vielfältige Perspektiven. Sie beleuchten und erproben künstlerische Aspekte, reflektieren und diskutieren bildungs- und kulturpolitische wie -historische Hintergründe des Gesamtthemas.

Die Chor- und Ensemblelandschaft in Deutschland ist zu Beginn des 21. Jahrhunderts vielgestaltiger denn je. 59.000 weltliche und kirchliche Chöre sowie Vokalensembles, organisiert in Verbänden, prägen das Musikleben, insbesondere in Baden-Württemberg sowie Stuttgart: An keinem anderen Ort in Deutschland sind Gesangsvereine so zahlreich vertreten wie in der Landeshauptstadt, haben sich aus dem kirchlichen Umfeld heraus so zahlreich semiprofessionelle Chöre entwickelt.

Die »kollektive Stimme« und die Auseinandersetzung mit all ihren Facetten des Sozialen, Kulturellen und Politischen führen auf den antiken Begriff und die »Institution« des Choros zurück. Aus dem religiösen Kult der Tänze und Gesänge zu Ehren des Dionysos entwickelte sich der antike Chor. Er kommentierte das Bühnengeschehen und verkörperte in der Rolle des Volkes das demokratische Prinzip des antiken Staates. Heute zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist gemeinsames Sprechen und Singen zentrales Thema der Kulturellen Bildung, und die Förderung sozialer Fähigkeiten durch künstlerische Kompetenzen ist anerkannt. Wie viel Kunst und Kultur kann, muss oder will sich eine Gesellschaft leisten?

Chor – Ensemble – Kollektiv: Den sozialen, politischen, kulturellen wie praktischen und medizinischen Aspekten widmen sich die rund 70 Veranstaltungen der 10. Internationalen Stuttgarter Stimmtage. Die Stimmtage tragen damit erneut dem Credo Rechnung, unter dem sie vor zwanzig Jahren angetreten sind: »Die komplexe Ausdruckswelt der Stimme ist nur durch die interdisziplinäre Kooperation und den regelmäßigen Austausch der verschiedenen damit befassten Disziplinen und Berufssparten adäquat zu beschreiben.« (aus dem Tagungsband der 1. Internationalen Stuttgarter Stimmtage 1996)

Wir laden Sie herzlich ein, den skizzierten Aspekten nachzugehen, der kollektiven wie eigenen Stimme zu folgen – in Vorträgen, Podien sowie in praxisorientierten Meisterklassen, Seminaren und Workshops – zu Beat Boxing, Erzählen, Jodeln, Mediensprechen, Obertonsingen, Vorlesen und vieles mehr.

Ihre Stimme? Ihrer aller Stimmen? Wir freuen uns, wenn Sie mithören, mitstimmen und -sprechen.

Das Programmkomitee der 10. Internationalen Stuttgarter Stimmtage:
Prof. Dr. Lutz-Christian Anders, KS Sibrand Basa, Annikke Fuchs-Tennigkeit, Prof. Dr. Kati Hannken-Illjes, Dr. Gabriele Hinrichs, Eva Kleinitz, Prof. Franziska Kötz, Prof. Cornelia Krawutschke, Prof. Uta Kutter, Gisela Lohmann, Prof. Angelika Luz, Prof. Dr. Andreas Meyer, Sergio Morabito, Clemens Nicol, Prof. Dr. Bernhard Richter, Prof. Dr. Hans-Ulrich Schnitzler